Was mit mir passierte

ich scheine mich zu wiederholen, allerdings habe ich zur zeit das dringende bedürfnis, alles was mit mir passierte, irgendwie aufzuarbeite


 

Ich war normal. Ich mag mein altes Ich. Ich war clever, humorvoll und neugierig. Ich hatte meine Macken und die Leichen, die mir meine Familie in den Keller legte. Aber ich kam mehr als gut zurecht.

Doch wie so oft geht alles Hand in Hand. Auf die Räusche und das Gras folgte der Kater, auf die erste Liebe der schlimmste Herzschmerz und auf den besten Sommer ein langer Winter. Und wenn man erst einmal einen Fuß in diese Welt der Trauer setzt, wirkt sie wie ein Sog. Und lädt ihre Freunde, die Namen wie ,,Selbstmitleid“, ,,Melancholie“ oder ,,Fatalismus“ haben, gleich mit ein.

Natürlich kommt genauso wieder der nächste Sommer. Und wenn es eine gute Sache gibt, die man all dem Schmerz abgewinnen kann, dann ist es, dass Freundschaften zusammenwachsen. Doch mich gänzlich retten, musste ich erfahren, kann keine noch so gute Freundschaft.

Und wenn man ständig um sich greift, versucht, Hilfe zu finden, anstatt sich selbst zu helfen, wird man verrückt. Damals konnte ich nicht wissen, was ich noch alles alleine durchstehen würde. Es fühlte sich so an, als könnte ich nicht einmehr alleine gehen.

In dieser Zeit war er meine Rettung. Der Erste. Er gab mir ein zu Hause, Geborgenheit und Schwerelosigkeit auf einmal. Und genauso schnell, wie er in meinem Leben stand, verschwand er fast zwei Jahre später wieder. Er fegte alles, was ich bis zu diesem Zeitpunkt hatte, wie ein Wirbelsturm nieder. Und kotzte dann noch einmal schön auf die Ruine.

Was ich nicht mehr hatte, konnte ich auch nicht verlieren, dachte ich. Mit dieser Einstellung verlor ich tatsächlich so gut wie alles. Was jetzt begann, war wie ein Traum, aus dem etwa ein Jahr später wieder aufwachen würde. Ich klammerte mich an Liebschaften, die ich wenig später verletzt zurückließ, weil ich merkte, dass sie mir die erhoffte Geborgenheit nicht geben konnten, sondern wenn überhaupt nur ein Gefühl von Scham.

Ich betrank mich, bis ich Filmrisse hatte, die mehrere Stunden anhielten. Die restliche Zeit verbrachte ich damit, mich abzulenken. Vom Leben. Ich saß meine Zeit einfach ab und genoss keine einzige Sekunde davon. Ich hatte nur die Hoffnung, dass alles, wie durch ein Wunder, eines Tages von alleine wieder besser werden würde.

Natürlich wurde es das nicht. Ich hatte mich selbst so schlecht behandelt, dass in mir alles nach Hilfe schrie, sich wehrte, gegen mich selbst. Und ich war nicht mehr als Trauer und Angst auf zwei Beinen. Wie ein Zombie wandelte ich angsterfüllt von Tag zu Tag.

Niemand muss verstehen, weshalb es mir aus so scheinbar nichtigen Gründen so schlecht ging. Niemand muss verstehen, wie schlecht es mir ging. Tatsächlich kann es auch niemand verstehen; ich verstehe es ja nicht einmal selbst.

Wie ich alldem entkam, kann ich immer noch nicht wirklich sagen. Ein entscheidender Punkt war jedoch, dass ich das erste mal seit einer halben Ewigkeit wieder auf mein Gefühl hörte. Ich tat das, was für mich persönlich am richtigsten erschien. Anders hätte ich es auch niemals geschafft.

Und nun bin ich hier. Noch lange nicht gesund. Aber ich fühle mich endlich wieder selbst. Ich bin da. Ich habe wieder Träume.

Und das ist ja schonmal was.

2 Kommentare zu „Was mit mir passierte

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