19.01.2018

Heute ist ein schrecklicher Tag. Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so gefühlt habe. Dabei habe ich mir geschworen, mir das alles nie wieder anzutun. Heute ist ein Tiefpunkt. Vielleicht auch ein Wendepunkt?

Wann ist aus dem aufgeweckten, extrovertierten Mädchen das geworden, was mich jetzt erschöpft aus dem Spiegel anschaut? Die junge Frau, so sagt es jedenfalls die Zahl auf meinem Ausweis, die nichts mehr auf die Reihe bekommt?

Gestern war ich bei meinem Psychiater. ,,Es macht mich stutzig, dass bei Ihnen nichts anschlägt, weder die Antidepressiva noch die Gesprächstherapie. Dabei hat diese Kombination eine Durchschlagskraft von 95% bei Panikstörungen.“ Er möchte jetzt ein Bild von meinem Gehirn machen und hat die gefühlt zehnte Untersuchung meiner Schilddrüse angeordnet.
Tief im Innern weiß ich, dass auch das keine neuen Erkenntnisse liefern wird. In einem meiner vergangenen Beiträge habe ich mich gefragt, wie man die Angst jemals als etwas Positives auffassen soll. Heute, glaube ich, habe ich die Antwort gefunden.
Es ist, als sei in mir eine unaufhaltbare Kraft, die sich dagegen wehrt, mich das tun zu lassen, was ich im Moment mache. Ich weiß nicht einmal für wen ich es mache. Für meine Familie? Der ich mit meiner Krankheit nur Kummer bereite und aufgrund der Ängste nur spärlich besuchen kommen kann. Meinen Freunden? Von denen ich weiß, dass sie, komme was wolle, hinter mir stehen und die immer wieder selbst unter meiner Krankheit leiden. Für mich? Diese Antwort erübrigt sich offensichtlich.

Heute habe ich es mir eingestanden. Ich hasse mein Studium. Abgrundtief. Es macht mich kaputt. Ich fühle mich überfordert und unterfordert gleichzeitig. Ich hasse die Stadt.
Zwar bin ich ein kleines Sensibelchen, aber das ist in Ordnung. Daran kann ich nichts ändern. Und ich weiß, dass ich unter den richtigen Bedingungen in den schönsten Farben aufblühen kann. Unter den falschen jedoch, verrotte ich langsam und schmerzhaft.
Natürlich war da schon vorher etwas. Aber als ich mich für dieses Studium entschieden habe, habe ich nicht in meinem Sinne, sondern im Sinne der Angst gehandelt. Ich gab ihr meinen kleinen Finger und sie nahm mich mit Haut und Haar.
,,Du bist so mutig und stark, zieh es durch“, sagen sie. Doch das wäre nicht mutig und stark. Das wäre feige und schwach. Wahren Mut hätte ich bewiesen, wenn ich schon viel früher die Reißleine gezogen hätte. Um das zu tun, was ich kann, was mir Spaß macht. Entgegen aller Vernunft. Denn jetzt bin ich, um es im Deutsch meiner Dozenten zu formulieren, am Peak meiner Issue. Anders gesagt: ich bin am Arsch.
Es ist so, als würde man jemandem mit Lungenkrebs empfehlen, unbedingt weiter zu rauchen.
Da hilft kein Escitalopram, kein Venlafaxin und kein Lorazepam. Da hilft keine Konfrontation mit der Autobahn oder dem Flugzeug, sondern nur die mit mir selbst.

Ich will schreien
1000 Mittelfinger in die Luft halten und
Rennen rennen rennen
In den Schnee
Fühlen
Ich will kotzen
Ich.Will.(Kann.)Das.Nicht.Mehr.

Ich weiß nicht was ich tun soll, aber ich weiß, dass ich aufhören muss, gegen mich selbst zu kämpfen. Ich weiß nicht, wie es weiter geht, aber so auf jeden Fall nicht.

“You get depressed because you know that you’re not what you should be.”

– Marilyn Manson

9 Kommentare zu „19.01.2018

  1. Uff! Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass du einen guten Weg da raus findest. Die Erkenntnis überhaupt zuzulassen ist glaube ich schon ein echt großer Schritt, auch wenn es sich mistig anfühlt!
    Ich hab selbst ein Studium durchgezogen, mit dem ich nicht glücklich war, weil ich mich nicht getraut habe abzubrechen. Beziehungsweise, das Studium war schon okay aber die Berufsaussichten, die sich daran knüpften waren ein absolutes No Go für mich. Ich hab dann kurz nach meinem Studium „hingeschmissen“ (also, den Job den ich dann hatte) und, tadaaa, noch ein Aufbaustudium in einem ganz anderen Bereich gemacht. Meine Berufsbiografie (naja, ok, meine gesamte Biografie xD) ist nicht besonders geradlinig jetzt, aber ich habe Spaß an dem was ich tue. Ich wünsche dir, dass du so etwas auch findest! Es gibt bestimmt was da draußen, was für dich richtig ist.

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    1. Ach, ich sehe die Kommentare leider immer so spät erst. Aber vielen Dank für diesen lieben Kommentar! Ich habe jetzt auch einen alternativen Weg eingeschlagen, ohne das Studium komplett zu schmeißen und es geht mir schon so viel besser. Je mehr man sich mit dem Thema befasst, desto mehr Geschichten wie deine hört man auch. Glücklich/gesund zu sein ist viel wichtiger als ein tadelloser Lebenslauf.

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  2. Gesund zu werden mit einem Studium, dass man nicht mag ist schwierig. Du willst das durchziehen, dann musst du dich auch mit der Unzufriedenheit abfinden und hinnehmen. Ich kenne das von mir selber. Mir gefällt mein Studium auch nicht, aber es ist zu spät es abzubrechen. Ausserdem wollen Arbeitgeber diesen Abschluss. Ich es ist einfach im Moment nicht zu ändern und eine Durststrecke. Viel Kraft dabei.

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    1. Bei mir ist es genau dasselbe… Durststrecke ist genau der richtige Begriff. Man kann nur versuchen, es sich irgendwie so erträglich wie möglich zu machen. Dir auch viel Kraft!

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