Kummerphilie

Heute habe ich Liebeskummer. Aber das ist gut. Ich mag Liebeskummer. Denn die letzten 3 Jahre hatte ich immer Keinenliebeskummerkummer.

Was ist Keinliebeskummerkummer? Vor ein paar Jahren hätte ich es niemals auszusprechen gewagt, aber: Nicht lieben zu können ist viel schlimmer, als nicht geliebt zu werden. Die unstillbare Sehnsucht danach, sich einfach wieder bei jemandem geborgen fühlen zu können.  Ein zu Hause zu haben. Aber egal, welcher Prinz angeritten kam – da war nichts. Er kam, sah und liebte. Und verlor. Und kam wieder und kämpfte. Und verlor. Mein Herz war so schrecklich kalt.

Und jetzt? Ist da doch einer. Der mich so sehr zum Lachen bringt. Der schlau ist. Und loyal. Den ich – wie unschwer zu erkennen ist – idealisiere (sagt mein Verstand, mein Herz findet ihn tatsächlich ziemlich ideal).

Und es wäre töricht, jetzt von Liebe zu sprechen, aber ich mag ihn einfach, aber alles ist ziemlich kompliziert, wir haben uns geküsst, aber es geht nicht. Weil alles ziemlich kompliziert ist. ,,Ich bin nicht gut in sowas, und du auch nicht“, hat er gesagt, meinte Liebe, dabei weiß er doch gar nicht, wie gut ich im Lieben bin, aber dass ich es bis dato nicht mehr konnte.

Liegt es genau daran? Dass er mich nicht will? Will ich ihn deshalb so sehr?  Oder liegt es daran, dass ich mich gerade so schrecklich einsam und verloren fühle? In meiner Unistadt (mal wieder). Oder ,,zu Hause“? Dort, wo ich an Ostern eine kleine Diskussion mit meinem Vater hatte und mir Mama danach, als er weg war, sagte: ,,Furchtbar, dass ihr euch nicht leiden könnt!“ Und sie sagte es so selbstverständlich, obwohl es vorher niemand ausgesprochen hat, aber es klang so selbstverständlich, dass er mich nicht leiden kann. Und das verletzt mich jetzt doch ein bisschen, obwohl es eigentlich nur gerecht ist, weil es für mich auch ein Leben lang (selbst)verständlich war, ihn nicht leiden zu können.

Und jetzt schweife ich wieder ab und denke darüber nach, wie verkorkst alles ist. Und darum bin ich heute glücklich darüber. Über ein bisschen ganz normalen Liebeskummer.

 

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